Unabhängiger RatgeberAktualisiert: Januar 2026

KFZ-Haftpflichtversicherung: Die gesetzliche Pflicht erklärt

Die KFZ-Haftpflicht ist die einzige gesetzlich vorgeschriebene Autoversicherung in Deutschland. Dieser Ratgeber erklärt die rechtlichen Grundlagen, sinnvolle Deckungssummen und worauf Sie achten sollten.

Pflichtversicherung auf einen Blick

Gesetzlich vorgeschrieben (§ 1 PflVG)
Schützt bei Schäden an Dritten
Empfohlen: 100 Mio. € Deckungssumme
Keine Selbstbeteiligung üblich

1Rechtliche Grundlagen

Die KFZ-Haftpflichtversicherung ist die einzige Autoversicherung, die in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist. Die rechtliche Basis bildet das Pflichtversicherungsgesetz (PflVG).

Wichtige Rechtsgrundlagen

§ 1 PflVG – Versicherungspflicht

Halter von Kraftfahrzeugen sind verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, die Schäden abdeckt, die durch den Gebrauch des Fahrzeugs verursacht werden.

§ 4 PflVG – Mindestversicherungssummen

Legt die gesetzlichen Mindestdeckungssummen fest: 7,5 Mio. Euro für Personenschäden, 1,22 Mio. Euro für Sachschäden und 50.000 Euro für reine Vermögensschäden.

§ 6 PflVG – Strafvorschriften

Wer ein Fahrzeug ohne gültige Haftpflichtversicherung im Straßenverkehr nutzt, begeht eine Straftat mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

Konsequenzen bei fehlendem Versicherungsschutz

  • ● Straftat nach § 6 PflVG (bis 1 Jahr Freiheitsstrafe)
  • ● Punkte in Flensburg und möglicher Führerscheinentzug
  • ● Persönliche Haftung für alle verursachten Schäden
  • ● Regress durch den Verkehrsopferhilfefonds (VOH)

2Was ist versichert?

Die KFZ-Haftpflicht schützt Sie vor Schadenersatzansprüchen Dritter. Sie greift, wenn Sie mit Ihrem Fahrzeug einen Schaden verursachen, für den Sie haftbar sind.

Versicherte Schäden

  • Personenschäden: Heilkosten, Schmerzensgeld, Rente bei dauerhafter Beeinträchtigung
  • Sachschäden: Reparatur oder Ersatz beschädigter Fahrzeuge und Gegenstände
  • Vermögensschäden: Verdienstausfall, Nutzungsausfall des Geschädigten
  • Passiver Rechtsschutz: Abwehr unberechtigter Ansprüche

Nicht versichert

  • Eigenes Fahrzeug: Schäden am eigenen Auto (dafür: Kasko)
  • Vorsätzliche Schäden: Absichtlich herbeigeführte Schäden
  • Rennen: Schäden bei illegalen Rennen
  • Gewerbliche Nutzung: Ohne entsprechende Vereinbarung

3Deckungssummen im Detail

Die Deckungssumme begrenzt die maximale Leistung des Versicherers. Bei der Haftpflicht ist eine ausreichend hohe Deckung besonders wichtig, da Personenschäden schnell in die Millionen gehen können.

DeckungshöhePersonenschädenSachschädenBewertung
Gesetzliches Minimum7,5 Mio. €1,22 Mio. €Nicht empfohlen
Standard50 Mio. €50 Mio. €Ausreichend
Empfohlen100 Mio. € pauschal100 Mio. € pauschalEmpfehlung

Warum höhere Deckungssummen?

Bei einem schweren Unfall mit mehreren Schwerverletzten können die Kosten schnell die Millionengrenze überschreiten: Dauerpflege, lebenslange Renten, Verdienstausfall. Die Differenz zwischen tatsächlichem Schaden und Deckungssumme müsste der Verursacher aus eigenem Vermögen zahlen. Der Mehrpreis für höhere Deckungssummen beträgt meist nur wenige Euro pro Jahr.

4Beitragsfaktoren

Der Beitrag zur KFZ-Haftpflicht wird individuell berechnet. Die Versicherer nutzen statistische Daten, um das Risiko einzuschätzen.

Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse)

Sehr hoher Einfluss

Unfallfreies Fahren wird belohnt. Je länger Sie schadenfrei fahren, desto günstiger wird der Beitrag. Unterschied zwischen SF 0 und SF 35 kann über 250% betragen.

Typklasse

Hoher Einfluss

Basiert auf der Schadensstatistik des Fahrzeugmodells. Haftpflicht-Typklassen reichen von 10 bis 25. Günstige Modelle: typische Familienautos. Teure Modelle: sportliche Fahrzeuge.

Regionalklasse

Mittlerer Einfluss

Basiert auf der Schadenshäufigkeit in Ihrem Zulassungsbezirk. Städtische Gebiete mit mehr Verkehr und Unfällen sind teurer als ländliche Regionen.

Jährliche Fahrleistung

Mittlerer Einfluss

Wer weniger fährt, verursacht statistisch weniger Schäden. Wenigfahrer (unter 10.000 km/Jahr) zahlen weniger als Vielfahrer. Angaben werden im Schadensfall geprüft.

5Haftpflicht vs. Kaskoversicherung

Die KFZ-Haftpflicht und die Kaskoversicherung (Teil- oder Vollkasko) sind unterschiedliche Versicherungen mit verschiedenen Funktionen.

KriteriumHaftpflichtTeilkaskoVollkasko
Pflicht?JaNeinNein
SchütztSchäden an DrittenEigenes Fahrzeug (Teil)Eigenes Fahrzeug (voll)
SelbstbeteiligungNein (i.d.R.)Ja (üblich)Ja (üblich)
SF-Klasse relevant?JaNeinJa

6Sinnvolle Zusatzleistungen

Neben dem Grundschutz bieten viele Haftpflichttarife Zusatzleistungen an, die je nach Situation sinnvoll sein können:

Mallorca-Police

Erhöht den Versicherungsschutz für Mietwagen im Ausland auf deutsches Niveau. Wichtig für Urlaubsfahrten mit Mietwagen in Ländern mit niedrigeren Deckungssummen.

Verzicht auf Einrede bei grober Fahrlässigkeit

Der Versicherer verzichtet darauf, Leistungen zu kürzen, wenn Sie grob fahrlässig gehandelt haben (z.B. Überfahren einer roten Ampel).

Auslandsschadenschutz

Erweiterter Schutz bei Unfällen im Ausland. Kann Regulierung nach deutschem Standard ermöglichen, auch wenn der Unfall im Ausland passiert ist.

Rabattschutz

Ihre SF-Klasse wird bei einem Schaden nicht zurückgestuft. Kann sich für langjährige schadenfrei Fahrer lohnen.

7Häufige Fragen zur KFZ-Haftpflicht

Was ist eine KFZ-Haftpflichtversicherung?

Die KFZ-Haftpflichtversicherung ist eine gesetzlich vorgeschriebene Pflichtversicherung (§ 1 PflVG). Sie schützt Sie vor Schadenersatzansprüchen Dritter, wenn Sie mit Ihrem Fahrzeug einen Unfall verursachen. Ohne gültige KFZ-Haftpflicht dürfen Sie kein Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr bewegen.

Was deckt die KFZ-Haftpflicht ab?

Die KFZ-Haftpflicht übernimmt Personenschäden (Heilbehandlung, Schmerzensgeld, Rentenansprüche), Sachschäden (Reparatur oder Ersatz beschädigter Fahrzeuge/Gegenstände) und Vermögensschäden (Verdienstausfall, Nutzungsausfall). Schäden am eigenen Fahrzeug sind nicht abgedeckt – dafür ist eine Kaskoversicherung erforderlich.

Welche Deckungssumme sollte ich wählen?

Das gesetzliche Minimum beträgt 7,5 Mio. Euro für Personenschäden und 1,22 Mio. Euro für Sachschäden. Experten empfehlen jedoch eine pauschale Deckungssumme von mindestens 100 Mio. Euro, da bei schweren Unfällen mit mehreren Schwerverletzten die Mindestdeckung schnell überschritten werden kann.

Was passiert bei einem Unfall ohne KFZ-Haftpflicht?

Fahren ohne KFZ-Haftpflicht ist eine Straftat nach § 6 PflVG. Es drohen bis zu 1 Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, Führerscheinentzug und Punkte in Flensburg. Bei einem Unfall haften Sie persönlich für alle Schäden. Der Verkehrsopferhilfefonds (VOH) kann Regress nehmen.

Gibt es bei der Haftpflicht eine Selbstbeteiligung?

Bei der KFZ-Haftpflicht ist normalerweise keine Selbstbeteiligung vorgesehen. Der Versicherer übernimmt die Schadensregulierung vollständig. Bei Kaskoversicherungen (Teilkasko, Vollkasko) ist hingegen eine Selbstbeteiligung üblich.

Wie wird der Beitrag berechnet?

Die wichtigsten Faktoren sind: Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse), Typklasse des Fahrzeugs, Regionalklasse des Wohnorts, jährliche Fahrleistung, Alter und Anzahl der Fahrer. Bei schadenfreiem Fahren sinkt der Beitrag jährlich.

Was ist die Mallorca-Police?

Die Mallorca-Police ist eine Zusatzdeckung, die den Versicherungsschutz für Mietwagen im Ausland auf deutsches Niveau erhöht. Viele Länder haben deutlich niedrigere Deckungssummen, sodass diese Erweiterung bei Auslandsreisen sinnvoll sein kann.

Wie kann ich zur Haftpflicht wechseln?

Sie können Ihre KFZ-Versicherung zum Ende der Vertragslaufzeit ordentlich kündigen (meist zum 30.11. mit einmonatigem Vorlauf). Bei einer Beitragserhöhung ohne Leistungsverbesserung haben Sie ein Sonderkündigungsrecht gemäß § 40 VVG.

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