Klimaneutral heizen

Biogas Vergleich 2026

Heizen mit gutem Gewissen: Von 10% bis 100% Biogas - was bringt es wirklich fürs Klima und was kostet es? Ein kritischer Blick auf Zertifizierungen und Greenwashing.

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Biogas: Echter Klimaschutz oder Greenwashing?

Biogas-Tarife versprechen klimaneutrales Heizen - aber die Realität ist komplizierter. Nicht jedes "Bio"-Label hält, was es verspricht. Zwischen echtem Biogas aus Reststoffen, umstrittenem Mais-Biogas und bloßer CO₂-Kompensation gibt es große Unterschiede.

Dieser Ratgeber hilft Ihnen, Greenwashing zu erkennen und eine fundierte Entscheidung zu treffen: Wie viel Biogas ist sinnvoll? Welche Zertifizierungen sind vertrauenswürdig? Und lohnt sich der Mehrpreis für die Umwelt wirklich?

Kernfrage: Wollen Sie echten Klimaschutz (= teurer, begrenzt verfügbar) oder nur ein gutes Gewissen (= günstigere Kompensation, aber umstrittene Wirkung)?

Biogas-Anteile: 10%, 50% oder 100%?

AnteilAufpreisCO₂-ReduktionKosten (15.000 kWh)Empfehlung
5-10% Biogas+0,5-1 ct/kWh5-10%~75-150 €/Jahr mehrFür preisbewusste Einsteiger
20-30% Biogas+1-2 ct/kWh20-30%~150-300 €/Jahr mehrGuter Kompromiss Preis/Klima
50% Biogas+2-3 ct/kWh50%~300-450 €/Jahr mehrFür Klimabewusste
100% Biogas+3-5 ct/kWh~100%~450-750 €/Jahr mehrFür konsequente Klimaschützer

Woher kommt Biogas?

Reststoff-Biogas

Nachhaltigkeit: Sehr hoch

Rohstoffe: Gülle, Bioabfall, Speisereste

Verfügbarkeit: Begrenzt
Preisniveau: Mittel-Hoch

Beste Wahl - keine Konkurrenz zur Nahrung

NawaRo-Biogas

Nachhaltigkeit: Umstritten

Rohstoffe: Mais, Gras, Getreide (Energiepflanzen)

Verfügbarkeit: Höher
Preisniveau: Mittel

Kritisch - Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion

Klärgas

Nachhaltigkeit: Sehr hoch

Rohstoffe: Klärschlamm aus Abwasser

Verfügbarkeit: Begrenzt
Preisniveau: Mittel

Gut - nutzt Abfallströme

Deponiegas

Nachhaltigkeit: Sehr hoch

Rohstoffe: Methan aus Mülldeponien

Verfügbarkeit: Abnehmend
Preisniveau: Niedrig-Mittel

Gut - verhindert Methan-Freisetzung

Power-to-Gas (grüner Wasserstoff)

Nachhaltigkeit: Sehr hoch

Rohstoffe: Überschuss-Strom aus Wind/Solar

Verfügbarkeit: Noch gering
Preisniveau: Sehr hoch

Zukunftstechnologie

Wichtig: Achten Sie auf "Reststoff-Biogas" oder "Abfall-Biogas". Biogas aus Energiepflanzen (Mais) ist ökologisch umstritten, weil es mit der Nahrungsmittelproduktion konkurriert und intensive Landwirtschaft erfordert.

Biogas-Zertifizierungen im Überblick

SiegelOrganisationKriterienGlaubwürdigkeit
Grünes Gas-LabelGrüner Strom Label e.V.Mind. 10% echtes Biogas, Reststoffe bevorzugt, Investition in EnergiewendeSehr hoch
TÜV Nord BiogasTÜV NordNachweis der Biogas-Herkunft, jährliche PrüfungHoch
ok-power-plusEnergieVision e.V.Strenge Nachhaltigkeitskriterien, keine GentechnikSehr hoch
naturemade starVUE SchweizHöchste Umweltstandards, lokale ÖkologieSehr hoch
Keine Zertifizierung-Nur Herkunftsnachweis, keine ZusatzkriterienNiedrig

Biogas vs. CO₂-Kompensation

OptionPrinzipMehrkostenKritik
Echtes Biogas (100%)Methan aus biologischen Quellen statt fossil~450-750 €/JahrBegrenzte Verfügbarkeit
CO2-kompensiertes ErdgasErdgas + Zertifikate für Klimaprojekte~50-150 €/JahrAblasshandel-Kritik, Wirksamkeit fraglich
Biogas-Anteil + Kompensation20-50% Biogas + Rest kompensiert~150-350 €/JahrKomplexe Bewertung
Reines ErdgasFossiles Gas ohne KompensationBasisKlimaschädlich

Kritischer Hinweis: CO₂-Kompensation ist umstritten. Viele Klimaschutzprojekte liefern nicht die versprochene CO₂-Reduktion. Echtes Biogas ist teurer, aber die Wirkung ist nachweisbar.

Biogas-Anbieter im Vergleich

AnbieterBiogas-AnteilHerkunftZertifizierungPreisniveau
Polarstern100%Reststoffe (Deutschland)Grünes Gas-LabelHoch
Naturstrom100%Reststoffe (Deutschland)Grünes Gas-LabelHoch
Greenpeace Energy10-100%Windgas + Biogasok-power-plusMittel-Hoch
LichtBlick5-100%Biomethan aus ReststoffenTÜV geprüftMittel
E.ON5-10%Verschiedene QuellenTÜVNiedrig-Mittel
Vattenfall5-10%Verschiedene QuellenTÜVNiedrig-Mittel

Kostenvergleich: Was bringt wie viel?

Beispielrechnung für ein Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Gasverbrauch pro Jahr:

TarifJahreskostenCO₂-EmissionFazit
Reines Erdgas (günstig)~950-1.050 €/Jahr3.015 kg/JahrGünstig, aber klimaschädlich
10% Biogas~1.050-1.150 €/Jahr2.714 kg/JahrKleiner Aufpreis, kleiner Effekt
50% Biogas~1.250-1.400 €/Jahr1.508 kg/JahrDeutliche CO₂-Reduktion
100% Biogas~1.400-1.700 €/Jahr~0-300 kg/JahrNahezu klimaneutral
CO₂-kompensiertes Gas~1.000-1.150 €/Jahr0 kg/Jahr (bilanziell)Günstig, aber umstritten

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Biogas und wie wird es hergestellt?
Biogas entsteht durch die Vergärung organischer Stoffe unter Ausschluss von Sauerstoff (anaerobe Vergärung). Als Rohstoffe dienen Gülle, Pflanzenreste, Bioabfälle, Speisereste oder Klärschlamm. In Biogasanlagen zersetzen Bakterien diese Materialien und produzieren dabei ein Gasgemisch aus ca. 50-75% Methan und 25-50% CO₂. Das Gas wird aufbereitet (Biomethan) und ins Erdgasnetz eingespeist.
Ist Biogas wirklich klimaneutral?
Biogas ist nahezu klimaneutral, wenn es aus Reststoffen wie Gülle oder Bioabfällen hergestellt wird. Das bei der Verbrennung freigesetzte CO₂ wurde zuvor von den Pflanzen aufgenommen (geschlossener Kreislauf). Bei Biogas aus Energiepflanzen (Mais) ist die Bilanz schlechter wegen Dünger, Transport und Landnutzung. 100% Biogas aus Reststoffen reduziert die CO₂-Emissionen um etwa 80-95% gegenüber Erdgas.
Was kostet 100% Biogas im Vergleich zu Erdgas?
Reines Biogas kostet etwa 3-5 ct/kWh mehr als Erdgas. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Verbrauch sind das 450-750€ Mehrkosten pro Jahr. Tarife mit 10-50% Biogas-Anteil sind entsprechend günstiger. Der Preisaufschlag hängt von der Biogas-Herkunft (Reststoffe sind teurer) und der Zertifizierung ab.
Was ist der Unterschied zwischen Biogas und CO₂-kompensiertem Gas?
Bei Biogas wird tatsächlich klimaneutrales Gas verbrannt. Bei CO₂-kompensiertem Gas wird normales Erdgas verwendet, aber der CO₂-Ausstoß durch Zertifikate für Klimaschutzprojekte (z.B. Aufforstung) ausgeglichen. Die Kompensation ist umstritten, da die Wirksamkeit der Projekte schwer überprüfbar ist und das Problem nur verlagert statt gelöst wird.
Welche Biogas-Zertifizierungen sind vertrauenswürdig?
Die strengsten Standards haben das "Grünes Gas-Label" (Grüner Strom Label e.V.) und "ok-power-plus". Sie fordern echtes Biogas aus Reststoffen und Investitionen in die Energiewende. TÜV-Zertifizierungen prüfen nur die Herkunft, nicht die Nachhaltigkeit der Produktion. Ohne Zertifizierung gibt es nur einen Herkunftsnachweis - oft Greenwashing.
Kann ich mit meiner bestehenden Gasheizung Biogas nutzen?
Ja, Biogas (genauer: aufbereitetes Biomethan) ist chemisch identisch mit Erdgas und kann ohne Umstellung in jeder Gasheizung verwendet werden. Es wird über das normale Erdgasnetz geliefert. Sie wechseln nur den Tarif, nicht die Technik. Der Wechsel funktioniert wie bei jedem anderen Gasanbieterwechsel.
Gibt es genug Biogas für alle Haushalte?
Nein, die verfügbare Menge an nachhaltigem Biogas ist begrenzt. Derzeit macht Biogas nur etwa 1-2% des deutschen Gasverbrauchs aus. Reststoff-basiertes Biogas könnte theoretisch auf 10-15% ausgebaut werden. Für eine vollständige Versorgung wäre synthetisches Gas aus erneuerbarem Strom (Power-to-Gas) nötig, das aber noch sehr teuer ist.
Lohnt sich Biogas auch bei geplanter Heizungsmodernisierung?
Wenn Sie in 2-5 Jahren ohnehin auf Wärmepumpe oder Fernwärme umsteigen wollen, ist ein teurer 100%-Biogas-Tarif wirtschaftlich fragwürdig. In diesem Fall könnte ein günstigerer Tarif mit 10-20% Biogas oder CO₂-Kompensation als Überbrückung sinnvoller sein. Langfristig ist die Umstellung auf erneuerbare Heizsysteme klimapolitisch effektiver.