Energie und Nachhaltigkeit

Ökostrom Vergleich 2026: echten Grünstrom erkennen und günstig wechseln

Echter Ökostrom ist nicht am Wort "Öko" zu erkennen, sondern am Gütesiegel. Das Grüner Strom Label und ok-power verlangen, dass ein Anbieter neue Wind- und Solaranlagen mitfinanziert. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Greenwashing entlarven, was Ökostrom 2026 kostet und wie der Wechsel abläuft.

Zuletzt aktualisiert: 14. Juli 2026 | checkeverything.de Redaktion

54,4 %
Erneuerbare am Stromverbrauch 2024 (UBA)
37,0 ct
Haushaltsstrom im Schnitt (BDEW)
2 Siegel
gelten als wirklich streng
2-6 Wo.
bis der Wechsel durch ist

Das Wichtigste in Kürze

  • 1.Echter Ökostrom trägt ein strenges Siegel: Grüner Strom Label oder ok-power. Beide verlangen, dass der Anbieter neue Öko-Anlagen mitfinanziert.
  • 2.Ökostrom ist meist nicht teurer als konventioneller Strom. Der Haushaltsdurchschnitt liegt 2026 bei rund 37,0 ct/kWh (BDEW), Ökotarife oft auf gleichem Niveau.
  • 3.2024 stammten 54,4 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen (UBA), bezogen auf die reine Erzeugung sogar 59,4 Prozent (Destatis).
  • 4.Aus der Steckdose kommt physikalisch immer der gleiche Netzmix. Ihr Ökostromvertrag zählt über Herkunftsnachweise, nicht über den tatsächlichen Stromfluss.
  • 5.Vorsicht bei Tarifen, die nur mit gekauften Herkunftsnachweisen werben: Das ist Greenwashing und fördert keine einzige neue Anlage.

Der Ökostrom-Markt 2026: längst kein Nischenthema mehr

Ökostrom ist in Deutschland zur Normalität geworden. 2024 deckten erneuerbare Energien laut Umweltbundesamt bereits 54,4 Prozent des Bruttostromverbrauchs. Nimmt man nur die inländische Stromerzeugung, waren es laut Statistischem Bundesamt sogar 59,4 Prozent. Wind und Sonne tragen den größten Teil.

EnergieträgerAnteil 2024CO2 je kWhEinordnung
Windkraft (an Land und See)31,5 %10-20 g/kWhWichtigster Energieträger im Netz
Photovoltaik13,8 %25-45 g/kWhRund 4,8 Millionen Anlagen (Ende 2025)
Biomasseca. 8 %30-70 g/kWhGrundlastfähig, aber Flächenkonkurrenz
Wasserkraft4,7 %5-15 g/kWhWenig Ausbaupotenzial übrig

Anteile an der Stromerzeugung 2024, gerundet. Quellen: Statistisches Bundesamt und Umweltbundesamt. Ende 2025 waren in Deutschland rund 4,8 Millionen Photovoltaikanlagen und etwa 31.100 Windräder in Betrieb.

Windräder und Solarpark liefern Ökostrom in Deutschland

Foto: Marcel Strauß / Unsplash

Was kostet Ökostrom 2026?

Der hartnäckigste Irrtum lautet, Ökostrom sei ein teurer Luxus. Das stimmt heute nicht mehr. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt 2026 laut BDEW-Strompreisanalyse bei rund 37,0 Cent je Kilowattstunde. Viele zertifizierte Ökotarife bewegen sich auf diesem Niveau oder knapp darunter, weil Wind- und Solarstrom in der Erzeugung inzwischen günstig sind.

Richtig teuer ist dagegen fast immer die örtliche Grundversorgung, in der viele Haushalte automatisch landen, wenn sie nie gewechselt haben. Genau hier liegt das Sparpotenzial: Der Sprung von der Grundversorgung zu einem günstigen Ökotarif bringt oft mehr als der Verzicht auf grünen Strom. Wenn Sie nur den Preis im Blick haben und die Herkunft zweitrangig ist, hilft der allgemeine Stromvergleich. Geht es Ihnen um echten Ökostrom, bleiben Sie hier.

Kurz gesagt: Ökostrom kostet Sie in der Praxis selten mehr. Was Sie zahlen, hängt stärker von Ihrem alten Vertrag ab als von der Farbe des Stroms.

Herkunftsnachweis: warum Ökostrom eine Bilanzfrage ist

Strom ist im Netz nicht unterscheidbar. Egal, welchen Tarif Sie haben, aus Ihrer Steckdose kommt der physische Mix aus allen Kraftwerken der Region. Ökostrom funktioniert deshalb über eine Bilanz, nicht über getrennte Leitungen. Das Instrument dafür heißt Herkunftsnachweis, kurz HKN.

Ein Herkunftsnachweis ist ein digitales Zertifikat für eine Megawattstunde Strom aus erneuerbarer Quelle. Das Herkunftsnachweisregister des Umweltbundesamtes gibt diese Nachweise aus und entwertet sie wieder, sobald der Strom als Ökostrom verkauft wurde. So lässt sich Doppelvermarktung verhindern.

Der Haken: HKN sind einzeln handelbar und lassen sich getrennt vom Strom verkaufen. Ein Anbieter kann billige Nachweise aus alten, längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken in Skandinavien kaufen und damit konventionellen Graustrom rechnerisch grün färben.

Genau deshalb reicht ein Herkunftsnachweis allein nicht. Er sagt, dass irgendwo grüner Strom erzeugt wurde, aber nicht, dass Ihr Vertrag den Zubau neuer Anlagen fördert. Diesen zusätzlichen Nutzen garantieren nur strenge Gütesiegel.

Gütesiegel im Vergleich: das eine Kriterium, das zählt

Der Unterschied zwischen den Siegeln lässt sich auf eine Frage eindampfen: Fließt Geld in neue Anlagen? Ein Tarif, der den Zubau von Wind und Sonne fördert, hat echten Umweltnutzen. Ein Tarif, der nur Herkunftsnachweise umbucht, hat keinen.

Grüner Strom Label

Sehr streng

Träger: Grüner Strom Label e.V., getragen von Umweltverbänden (u. a. NABU, BUND)

  • Fester Förderbetrag in neue Öko-Anlagen: mindestens 0,5 ct je kWh (Privatkunden)
  • Keine Beteiligung an Kohle- oder Atomkraft
  • Jährliche unabhängige Prüfung

Urteil: Höchster nachweisbarer Umweltnutzen

ok-power

Streng

Träger: EnergieVision e.V. (u. a. Öko-Institut, Verbraucherzentrale NRW)

  • 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen
  • Anbieter muss den Zubau neuer Anlagen aktiv fördern
  • Keine Verflechtung mit Kohle- oder Atomstrom

Urteil: Sehr empfehlenswert für echten Ökostrom

TÜV-Zertifikate

Mittel

Träger: TÜV Süd, TÜV Nord, TÜV Rheinland (je eigene Kriterienkataloge)

  • Nachweis der erneuerbaren Herkunft
  • Je nach Variante auch ein Neuanlagen-Anteil
  • Kriterien unterscheiden sich stark je nach Prüfstandard

Urteil: Solide, aber Kriterien genau prüfen

Nur Herkunftsnachweise (HKN/RECS)

Kein Umweltnutzen

Träger: Kein unabhängiges Siegel, nur ein handelbares Zertifikat

  • Oft eingekaufte Nachweise aus alten Wasserkraftwerken
  • Kein Cent fließt in neue Anlagen
  • Reines Umetikettieren von Graustrom möglich

Urteil: Typisches Greenwashing, meiden

Kriterien nach Angaben der Träger: Grüner Strom Label e.V. und ok-power (EnergieVision e.V.). Stand Juli 2026.

Greenwashing erkennen: fünf Warnzeichen

Nicht jeder grün gestaltete Tarif hält, was die Werbung verspricht. Diese Punkte entlarven Mogelpackungen zuverlässig.

Nur Herkunftsnachweise

Der Tarif nennt kein anerkanntes Siegel, sondern wirbt allein mit HKN oder RECS. Dann fließt kein Cent in neue Anlagen.

Konzern mit Kohle und Atom

Der Öko-Tarif stammt von einem Versorger, der gleichzeitig fossile Kraftwerke betreibt. Möglich, aber prüfen Sie das Siegel genau.

Kein Strommix ausgewiesen

Seriöse Anbieter veröffentlichen ihre Stromkennzeichnung. Fehlt sie, ist Vorsicht angebracht.

Lock-Boni und Kaution

Hohe Sofortboni, Vorauskasse oder Pakettarife mit fester Abnahme sind unabhängig von der Öko-Frage ein Risiko.

Weiterführend erklärt das Umweltbundesamt die Stromkennzeichnung, an der Sie die Herkunft ablesen können.

Anbieter-Typen: wer echten Ökostrom liefert

Reine Ökostrom-Anbieter

Führen ausschließlich Öko-Tarife, ohne Kohle oder Atom im Konzern.

NaturstromEWS SchönauPolarsternGreen Planet EnergyLichtBlick

Einordnung: Höchste Glaubwürdigkeit, tragen fast immer ein strenges Siegel

Große Energieversorger

Bieten Öko-Tarife neben ihrem klassischen Strom an.

E.ONEnBWVattenfallRWE/Eprimo

Einordnung: Oft günstige Preise, aber der Öko-Anspruch hängt am Tarif, nicht am Konzern

Stadtwerke

Kommunale Versorger mit regionalen Öko-Tarifen.

Stadtwerke MünchenMainovaRheinEnergie

Einordnung: Regionale Wertschöpfung und lokaler Service, Siegel im Einzelfall prüfen

Anbieter beispielhaft genannt, keine Reihenfolge und keine Empfehlung. Maßgeblich ist immer der konkrete Tarif mit seinem Siegel, nicht der Name auf der Rechnung.

In vier Schritten zum Ökostrom

1

Verbrauch bereithalten

Ihren Jahresverbrauch finden Sie auf der letzten Stromrechnung. Ein Zwei-Personen-Haushalt liegt bei rund 3.000 kWh, drei Personen bei etwa 3.500 kWh.

2

Tarife mit Siegel filtern

Im Vergleich zuerst nach echtem Ökostrom filtern. Achten Sie auf Grüner Strom Label oder ok-power, nicht nur auf das Wort "Öko".

3

Vertragsdetails prüfen

Laufzeit maximal zwölf Monate, Preisgarantie auf den Arbeitspreis, keine Vorauskasse und keine Pakettarife mit fester Abnahmemenge.

4

Online wechseln

Die Kündigung beim alten Anbieter übernimmt der neue Versorger. Der Strom fließt ohne Unterbrechung weiter, die Netzleitung bleibt dieselbe.

Besonders wirksam bei hohem Verbrauch

Wer eine Wärmepumpe oder ein E-Auto betreibt, verbraucht deutlich mehr Strom und hebelt den Umwelteffekt von Ökostrom entsprechend. Für das Laden zu Hause lohnt ein Blick auf spezielle Nachtstrom- und Autostromtarife. Planen Sie eine eigene Photovoltaikanlage, sinkt Ihr Zukauf ohnehin. Die Finanzierung läuft häufig über den KfW-Kredit 270 für Photovoltaik.

Ökostrom-Tarife für Ihre Region vergleichen

Geben Sie Postleitzahl und Jahresverbrauch ein und filtern Sie im Ergebnis nach zertifiziertem Ökostrom. Der Vergleich ist kostenlos und unverbindlich.

Transparenzhinweis: Wir nehmen am CHECK24.net Partnerprogramm teil und erhalten eine Vergütung für vermittelte Verträge. Für Sie entstehen dadurch keine Mehrkosten.

Weitere Informationen in der Datenschutzerklärung von CHECK24.

Häufige Fragen zu Ökostrom

Woran erkenne ich echten Ökostrom?
An einem strengen Gütesiegel. Das Grüner Strom Label und das ok-power-Label verlangen, dass der Anbieter aktiv in neue Wind-, Solar- oder Wasserkraftanlagen investiert. Tarife, die nur mit Herkunftsnachweisen (HKN) werben, sagen dagegen nichts über zusätzlichen Umweltnutzen aus. Das Wort "Öko" allein ist nicht geschützt.
Ist Ökostrom teurer als normaler Strom?
In der Regel nicht mehr. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt 2026 laut BDEW-Strompreisanalyse bei rund 37,0 ct/kWh, und viele zertifizierte Ökotarife bewegen sich auf demselben Niveau oder leicht darunter. Deutlich teurer ist meist die örtliche Grundversorgung, aus der sich ein Wechsel fast immer lohnt.
Kommt bei mir zu Hause wirklich grüner Strom aus der Steckdose?
Physikalisch nicht. Aus dem Netz kommt immer der gleiche Strommix, unabhängig vom Tarif. Entscheidend ist die Bilanz: Für jede Kilowattstunde, die Sie als Ökostrom kaufen, wird die entsprechende Menge grüner Strom erzeugt und über einen Herkunftsnachweis dokumentiert. Ihr Vertrag verschiebt also die Nachfrage, nicht den physischen Stromfluss.
Was ist ein Herkunftsnachweis (HKN)?
Ein Herkunftsnachweis ist ein digitales Zertifikat, das belegt, dass eine Megawattstunde Strom aus erneuerbarer Quelle stammt. Das Umweltbundesamt führt dafür ein eigenes Register. Der Haken: HKN sind einzeln handelbar und lassen sich getrennt vom Strom verkaufen. Ein Anbieter kann so billige Nachweise aus alten norwegischen Wasserkraftwerken kaufen und konventionellen Strom als Ökostrom etikettieren.
Welches Ökostrom-Gütesiegel ist das beste?
Das Grüner Strom Label gilt als strengstes Siegel, weil es einen festen Förderbetrag in neue Anlagen vorschreibt. Das ok-power-Label ist ebenfalls streng und verlangt aktive Förderung des Zubaus. TÜV-Zertifikate sind eine breite Kategorie mit sehr unterschiedlichen Kriterien, hier lohnt der genaue Blick. Reine Herkunftsnachweise sind kein Qualitätsmerkmal.
Wie viel CO2 spare ich mit Ökostrom?
Ein Drei-Personen-Haushalt mit rund 3.500 kWh Jahresverbrauch vermeidet rechnerisch etwa 1,2 bis 1,3 Tonnen CO2 pro Jahr. Grundlage ist der CO2-Faktor des deutschen Strommix, der laut Umweltbundesamt 2024 bei rund 363 Gramm je Kilowattstunde lag und weiter sinkt. Den größten Effekt hat Ökostrom, wenn er den Zubau neuer Anlagen fördert.
Lohnt sich Ökostrom bei Wärmepumpe oder E-Auto besonders?
Ja, weil der Verbrauch dort hoch ist. Eine Wärmepumpe zieht je nach Haus 3.000 bis 6.000 kWh, ein E-Auto bei 15.000 Kilometern rund 3.000 kWh zusätzlich. Wer diesen Bedarf mit zertifiziertem Ökostrom deckt, hebelt den Umwelteffekt entsprechend. Für das Laden zu Hause gibt es dazu spezielle Tarife.
Wie schnell kann ich zu Ökostrom wechseln?
Der Wechsel dauert meist zwei bis sechs Wochen, je nach Kündigungsfrist Ihres alten Vertrags. Aus der Grundversorgung kommen Sie mit zwei Wochen Frist heraus. Der neue Anbieter kündigt für Sie, und die Versorgung reißt zu keiner Sekunde ab, weil Netz und Zähler gleich bleiben.

Quellen und Stand