Unabhängiger RatgeberPflichtversicherungAktualisiert: Januar 2026

Autohaftpflichtversicherung Vergleich: Pflicht verstehen, richtig wählen

Die Autohaftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben – ohne sie darf kein Fahrzeug auf deutschen Straßen fahren. Dieser Ratgeber erklärt, was Sie wissen müssen, welche Deckungssummen sinnvoll sind und wie Sie den passenden Tarif finden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflicht: Ohne Haftpflicht keine Zulassung (§ 1 PflVG)
  • Deckung: Mindestens 100 Mio. Euro pauschal empfohlen
  • Schutz: Zahlt Schäden, die Sie bei anderen verursachen
  • Eigenes Auto: Nicht abgedeckt – dafür brauchen Sie Kasko

1Gesetzliche Pflicht – Warum Haftpflicht Pflicht ist

Die Autohaftpflichtversicherung ist in Deutschland seit 1939 gesetzlich vorgeschrieben. Die rechtliche Grundlage bildet das Pflichtversicherungsgesetz (PflVG).

Wichtige Gesetzesgrundlagen

  • § 1 PflVG:Der Halter eines Kraftfahrzeugs ist verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen
  • § 4 PflVG:Mindestversicherungssummen für die Haftpflichtversicherung
  • § 6 PflVG:Fahren ohne Versicherung ist strafbar (Geldstrafe oder bis 1 Jahr Freiheitsstrafe)

Was passiert ohne Haftpflicht?

Strafrechtliche Folgen:

  • • Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 1 Jahr
  • • Punkte in Flensburg
  • • Führerscheinentzug möglich

Finanzielle Folgen bei Unfall:

  • • Persönliche Haftung für alle Schäden
  • • Regress durch die Verkehrsopferhilfe
  • • Mögliche Privatinsolvenz

2Was ist abgedeckt – und was nicht?

Die Autohaftpflicht zahlt für Schäden, die Sie mit Ihrem Fahrzeug bei anderen verursachen. Schäden am eigenen Fahrzeug sind nicht abgedeckt – dafür benötigen Sie eine Kaskoversicherung.

Versicherte Schäden

  • Personenschäden: Behandlungskosten, Schmerzensgeld, Verdienstausfall, Rente bei Dauerfolgen
  • Sachschäden: Reparatur/Ersatz von Fahrzeugen, Gebäuden, Verkehrseinrichtungen
  • Vermögensschäden: Mietwagen, entgangener Gewinn, Anwaltskosten

Nicht versicherte Schäden

  • Eigenes Fahrzeug: Schäden am eigenen Auto (nur mit Kasko)
  • Vorsatz: Absichtlich verursachte Schäden
  • Illegale Rennen: Schäden bei nicht genehmigten Rennen

3Deckungssummen – Wie viel Schutz brauchen Sie?

Die Deckungssumme bestimmt, bis zu welchem Betrag der Versicherer Schäden reguliert. Bei schweren Unfällen können Personenschäden schnell Millionenbeträge erreichen.

SchadensartGesetzliches MinimumEmpfohlen
Personenschäden7,5 Mio. €100 Mio. € pauschal
Sachschäden1,22 Mio. €100 Mio. € pauschal
Vermögensschäden50.000 €100 Mio. € pauschal

Warum 100 Millionen Euro?

Bei einem schweren Unfall mit mehreren Verletzten können Behandlungskosten, Schmerzensgelder und lebenslange Renten schnell mehrere Millionen Euro kosten. Die gesetzlichen Mindestsummen reichen dann nicht aus – Sie haften persönlich für den Rest. 100 Mio. Euro pauschal kosten bei den meisten Versicherern nicht mehr als der gesetzliche Mindestschutz.

4Preisfaktoren – Was bestimmt Ihren Beitrag?

Der Preis Ihrer Autohaftpflicht hängt von verschiedenen Faktoren ab, die das Schadensrisiko widerspiegeln sollen:

Fahrzeugbezogene Faktoren

  • Typklasse: Schadensstatistik des Fahrzeugmodells (10-25)
  • Motorleistung: Mehr PS = höheres Risiko
  • Fahrzeugalter: Beeinflusst Kaskopreis stärker als Haftpflicht

Personenbezogene Faktoren

  • SF-Klasse: Jahre ohne Schaden (größter Einzelfaktor)
  • Alter: Junge Fahrer (unter 25) zahlen mehr
  • Beruf: Manche Berufsgruppen erhalten Rabatte

Nutzungsbezogene Faktoren

  • Fahrleistung: Weniger km = günstigerer Beitrag
  • Fahrerkreis: Nur Sie = günstiger als beliebige Fahrer
  • Nutzungsart: Privat oder gewerblich

Regionalbezogene Faktoren

  • Regionalklasse: Schadensstatistik Ihres Wohnorts
  • Stellplatz: Garage günstiger als Straße
  • PLZ-Gebiet: Städte meist teurer als Land

5Haftpflicht vs. Kasko – Die Unterschiede

Die Haftpflicht ist Pflicht und zahlt Schäden an anderen. Kasko ist freiwillig und zahlt Schäden am eigenen Fahrzeug. Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede:

MerkmalHaftpflichtTeilkaskoVollkasko
Pflicht?Ja (gesetzlich)Nein (freiwillig)Nein (freiwillig)
Zahlt fürSchäden an DrittenDiebstahl, Brand, Hagel, Wild+ selbstverschuldete Schäden
Eigenes FahrzeugNicht abgedecktTeilweiseUmfassend
SF-KlasseJa (eigene)NeinJa (eigene)
Empfohlen fürAlle FahrzeugeÄltere Fahrzeuge (3-8 Jahre)Neufahrzeuge (0-3 Jahre)

6Wechselmöglichkeiten – Wann und wie wechseln?

Die meisten KFZ-Versicherungen haben eine Laufzeit bis 31. Dezember. Um zu wechseln, müssen Sie bis zum 30. November kündigen. Es gibt aber auch Sonderkündigungsrechte:

Reguläre Kündigung

Stichtag: 30. November (Eingang beim Versicherer)
Vertragsende: 31. Dezember
Der neue Versicherer übernimmt meist die Kündigung für Sie.

Sonderkündigung bei Beitragserhöhung (§ 40 VVG)

Erhöht Ihr Versicherer den Beitrag ohne entsprechende Leistungsverbesserung, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht. Frist: 1 Monat nach Erhalt der Mitteilung.

Sonderkündigung nach Schadensfall (§ 92 VVG)

Nach einem regulierten Schadensfall können Sie (und der Versicherer) innerhalb eines Monats nach Schadenregulierung kündigen.

Fahrzeugwechsel

Bei Abmeldung/Verkauf Ihres Fahrzeugs endet die Versicherung automatisch. Sie können für das neue Fahrzeug frei einen neuen Versicherer wählen.

7Häufige Fragen zur Autohaftpflichtversicherung

Was ist die Autohaftpflichtversicherung genau?

Die Autohaftpflichtversicherung ist eine gesetzlich vorgeschriebene Pflichtversicherung für alle Kraftfahrzeuge in Deutschland (§ 1 PflVG). Sie deckt Schäden ab, die Sie mit Ihrem Fahrzeug bei anderen Personen, deren Eigentum oder Vermögen verursachen. Ohne gültige Haftpflicht darf kein Fahrzeug zugelassen werden.

Welche Deckungssummen sollte die Autohaftpflicht haben?

Die gesetzlichen Mindestdeckungssummen betragen 7,5 Mio. Euro für Personenschäden, 1,22 Mio. Euro für Sachschäden und 50.000 Euro für Vermögensschäden. Diese reichen bei schweren Unfällen oft nicht aus. Empfohlen werden mindestens 100 Mio. Euro pauschal für alle Schadensarten – so bieten es die meisten Tarife.

Was deckt die Autohaftpflicht ab – und was nicht?

Gedeckt sind: Personenschäden (Behandlung, Schmerzensgeld, Verdienstausfall), Sachschäden (Reparatur fremder Fahrzeuge, Gebäude), Vermögensschäden (finanzielle Folgeschäden). Nicht gedeckt: Schäden am eigenen Fahrzeug, Schäden durch Vorsatz, Schäden bei nicht genehmigten Rennen.

Wie hoch ist eine günstige Autohaftpflichtversicherung?

Die Kosten hängen von vielen Faktoren ab: Fahrzeugtyp (Typklasse 10-25), Wohnort (Regionalklasse), Schadenfreiheitsklasse, Fahrleistung und Alter des Fahrers. Günstige Tarife beginnen bei etwa 30-40 Euro/Monat für erfahrene Fahrer mit hoher SF-Klasse, Fahranfänger zahlen oft das 2-3-fache.

Was passiert ohne Autohaftpflichtversicherung?

Fahren ohne gültige Haftpflicht ist eine Straftat nach § 6 PflVG. Es drohen: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 1 Jahr, Entzug des Führerscheins, Punkte in Flensburg. Bei einem Unfall haften Sie persönlich für alle Schäden – das kann zur finanziellen Katastrophe führen.

Kann ich die Autohaftpflicht separat von Kasko abschließen?

Ja, die Haftpflicht kann einzeln abgeschlossen werden – sie ist die Pflicht-Grundabsicherung. Teilkasko oder Vollkasko sind freiwillige Zusatzversicherungen für Schäden am eigenen Fahrzeug. Die Haftpflicht ist immer enthalten, wenn Sie Kasko wählen.

Was bedeutet 'Verzicht auf Einrede der groben Fahrlässigkeit'?

Normalerweise kann der Versicherer bei grober Fahrlässigkeit (z.B. Rotlichtverstoß, Handynutzung) die Leistung kürzen. Mit diesem Verzicht zahlt der Versicherer trotzdem den vollen Schaden an den Geschädigten. Wichtig: Der Verzicht gilt meist nur bis zu einer bestimmten Summe (oft 5.000-10.000 Euro).

Wann kann ich die Autohaftpflicht wechseln?

Der reguläre Kündigungstermin ist der 30. November für Vertragsende 31. Dezember. Sonderkündigungsrechte: Bei Beitragserhöhung ohne Leistungsverbesserung (§ 40 VVG), nach einem regulierten Schadensfall (§ 92 VVG), bei Fahrzeugwechsel endet der alte Vertrag automatisch.

8Tarifrechner – Autohaftpflicht vergleichen

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