Unabhängiger RatgeberAktualisiert: Januar 2026

KFZ-Versicherungsklassen: SF-Klassen, Typklassen & Regionalklassen erklärt

Drei Faktoren bestimmen maßgeblich Ihren KFZ-Versicherungsbeitrag: Die Schadensfreiheitsklasse (Ihre persönliche Fahrhistorie), die Typklasse (Ihr Fahrzeugmodell) und die Regionalklasse (Ihr Wohnort). Dieser Ratgeber erklärt das System verständlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • SF-Klasse: Bis zu 80% Rabatt nach 35+ unfallfreien Jahren (nur Haftpflicht + Vollkasko)
  • Typklasse: GDV berechnet jährlich anhand von ~33.000 Fahrzeugmodellen
  • Regionalklasse: Basiert auf 413 Zulassungsbezirken (Wohnort entscheidend)
  • Teilkasko: Keine SF-Klassen – nur Typ- und Regionalklasse relevant

1. Schadensfreiheitsklassen (SF-Klassen)

Die Schadensfreiheitsklasse (SF-Klasse) ist das Bonus-Malus-System der deutschen KFZ-Versicherung. Sie belohnt unfallfreies Fahren mit steigenden Rabatten und bestraft Schäden mit Rückstufungen. Das System gilt ausschließlich für KFZ-Haftpflicht und Vollkasko – die Teilkasko kennt keine SF-Klassen.

Rechtlicher Hintergrund: Das SF-Klassensystem ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber seit Jahrzehnten etablierter Standard in Deutschland. Es basiert auf versicherungsmathematischen Erkenntnissen: Wer lange unfallfrei fährt, verursacht statistisch weniger Schäden.

SF-Klassen-Tabelle 2025

SF-KlasseUnfallfreie JahreBeitragssatz*
SF 3535+ Jahre20%
SF 2525 Jahre25%
SF 2020 Jahre28%
SF 1515 Jahre32%
SF 1010 Jahre40%
SF 55 Jahre55%
SF 33 Jahre70%
SF 11 Jahr85%
SF ½Führerschein ≥3 Jahre100%
SF 0Fahranfänger200-260%
M (Malus)Nach Schadenfall220-280%

*Beitragssätze sind Richtwerte und variieren zwischen Versicherern. 100% = Grundbeitrag ohne Rabatt/Zuschlag.

So funktioniert das System:

  • Jährliche Hochstufung: Nach jedem schadenfreien Versicherungsjahr steigen Sie eine SF-Klasse auf
  • Maximum SF 35: Die meisten Versicherer begrenzen bei 35 unfallfreien Jahren
  • Startklasse: Fahranfänger beginnen je nach Führerscheinbesitz in SF 0 oder SF ½
  • Stichtag: Maßgeblich ist Ihr persönliches Vertragsjubiläum

2. Typklassen nach GDV

Die Typklasse spiegelt das statistische Schadensrisiko Ihres Fahrzeugmodells wider. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berechnet diese jährlich anhand der Schadenbilanzen aller rund 33.000 in Deutschland zugelassenen Modelle.

Berechnungsgrundlage:

  • • Schadenstatistiken der letzten drei Jahre
  • • Anzahl und Höhe der gemeldeten Schäden pro Fahrzeugtyp
  • • Reparaturkosten und Regulierungsaufwand
  • • Veröffentlichung: Jährlich im Herbst durch den GDV

Übersicht der Typklassen

VersicherungsartTypklassenAnzahl
KFZ-Haftpflicht10-2516 Typklassen
Teilkasko10-3324 Typklassen
Vollkasko10-3425 Typklassen

Niedrige Typklasse = günstig

Beispiele: Dacia Sandero, VW Polo (ältere Modelle), Škoda Fabia. Diese Fahrzeuge haben statistisch weniger oder günstigere Schäden.

Hohe Typklasse = teuer

Beispiele: BMW M-Modelle, Audi RS-Modelle, leistungsstarke Sportwagen. Häufiger in Unfälle verwickelt oder teure Reparaturen.

Hinweis: Die GDV-Typklassen sind für Versicherer unverbindlich. Jeder Versicherer kann eigene Einstufungen vornehmen. Die meisten orientieren sich jedoch an den GDV-Empfehlungen. Sie können Ihre Typklasse unter dieversicherer.de abfragen.

3. Regionalklassen nach Wohnort

Die Regionalklasse berücksichtigt das regionale Schadensrisiko. Der GDV wertet dafür die Schadenbilanzen aller 413 deutschen Zulassungsbezirke aus. Entscheidend ist nicht, wo ein Unfall passiert, sondern wo das Fahrzeug zugelassen ist (Wohnort des Halters).

Übersicht der Regionalklassen

VersicherungsartRegionalklassenBezirke
KFZ-Haftpflicht1-12413 Zulassungsbezirke
Teilkasko1-16413 Zulassungsbezirke
Vollkasko1-9413 Zulassungsbezirke

Was fließt in die Berechnung ein?

  • Haftpflicht: Unfallhäufigkeit und Schadenshöhe im Bezirk
  • Teilkasko: Diebstähle, Glasschäden, Wildunfälle, Naturereignisse
  • Vollkasko: Selbstverschuldete Unfälle, Vandalismus

Günstige Regionen

Ländliche Gebiete in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern. Weniger Verkehr, weniger Unfälle, weniger Diebstähle.

Teure Regionen

Großstädte wie Berlin, München, Hamburg, Köln. Mehr Verkehr, mehr Parkschäden, höhere Diebstahlraten.

4. Rückstufung nach Schadenfall

Nach einem selbstverschuldeten Schaden (Haftpflicht oder Vollkasko) erfolgt eine Rückstufung in eine niedrigere SF-Klasse. Die genaue Rückstufung variiert je nach Versicherer, folgt aber meist ähnlichen Tabellen.

Typische Rückstufungstabelle

SF-Klasse vorherNach 1 SchadenVerlust
SF 20SF 812 Klassen
SF 10SF 46 Klassen
SF 5SF 23 Klassen
SF 3SF 12 Klassen
SF 1SF 01 Klasse
SF 0MMalus-Klasse

Keine Rückstufung bei:

  • Teilkasko-Schäden: Diebstahl, Glasbruch, Sturm, Hagel, Wildunfall, Brand
  • Unverschuldete Unfälle: Wenn der Unfallgegner schuld ist (Haftpflicht)
  • Rabattschutz: Wenn Sie diese Zusatzleistung abgeschlossen haben
  • Schadenrückzahlung: Wenn Sie den Schaden selbst begleichen

Tipp zur Schadenrückzahlung: Bei kleineren Schäden kann es sich lohnen, die Reparaturkosten selbst zu zahlen, um eine teure Rückstufung zu vermeiden. Ihr Versicherer muss Ihnen die sogenannte „Schadenrückrechnung" mitteilen – die Summe, ab der sich die Selbstzahlung finanziell lohnt.

5. SF-Klasse übertragen

Schadensfreiheitsklassen können unter bestimmten Bedingungen auf andere Personen übertragen werden. Dies ist besonders für Fahranfänger interessant.

Häufige Übertragungsfälle

  • Ehepartner: Gegenseitige Übertragung meist problemlos
  • Eltern → Kind: Wenn Kind im Haushalt gemeldet war
  • Großeltern → Enkel: Bei vielen Versicherern möglich
  • Verstorbener Halter: Auf Erben übertragbar

Wichtige Regeln

  • !Führerschein: Max. so viele SF-Jahre wie Führerscheinjahre
  • !Übertragungsformular: Unterschrift des Abgebenden erforderlich
  • !Einmalig: Übertragene Klasse ist beim Geber dann „verbraucht"
  • !Nicht verkäuflich: Übertragung nur an verwandte/nahestehende Personen

Beim Versicherungswechsel: Die SF-Klasse wird automatisch übernommen. Der neue Versicherer fragt beim alten Versicherer die SF-Klasse ab. Sie müssen nichts Besonderes tun – nur wahrheitsgemäße Angaben machen.

6. Tipps für Fahranfänger

Fahranfänger zahlen die höchsten Versicherungsbeiträge. Mit diesen Strategien können Sie die Kosten deutlich senken:

1. SF-Klasse übernehmen

Prüfen Sie, ob Eltern oder Großeltern SF-Klassen übertragen können. Ein Elternteil mit SF 20 könnte Ihnen die Klasse übertragen (begrenzt auf Ihre Führerscheinjahre).

2. Zweitwagen-Einstufung

Melden Sie Ihr Auto als Zweitwagen bei den Eltern an. Viele Versicherer bieten dann eine günstigere Einstufung (z.B. SF ½ statt SF 0).

3. Telematik-Tarife nutzen

Bei Telematik-Tarifen wird Ihr Fahrverhalten per App gemessen. Wer umsichtig fährt, kann bis zu 30% sparen. Besonders für Fahranfänger interessant.

4. Fahrzeug mit niedriger Typklasse

Wählen Sie beim Autokauf ein Modell mit günstiger Typklasse. Ein Kleinwagen ist oft deutlich günstiger zu versichern als ein leistungsstarkes Modell.

5. Begleitetes Fahren (BF17)

Manche Versicherer honorieren die Teilnahme am Begleiteten Fahren ab 17 mit Rabatten, da die Unfallstatistik dieser Fahrer besser ist.

7. Häufige Fragen zu KFZ-Versicherungsklassen

Was ist die Schadensfreiheitsklasse (SF-Klasse)?

Die Schadensfreiheitsklasse ist ein Rabattsystem der KFZ-Versicherung. Sie gibt an, wie viele Jahre Sie unfallfrei gefahren sind. Pro schadenfreiem Jahr steigen Sie eine Klasse auf. Bei SF 35 (35+ unfallfreie Jahre) zahlen Sie nur noch etwa 20% des Grundbeitrags. Die SF-Klasse gilt nur für Haftpflicht und Vollkasko, nicht für Teilkasko.

Wie werden Typklassen berechnet?

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berechnet jährlich die Typklassen anhand der Schadensstatistiken aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeugmodelle. Dabei werden die Schäden der letzten drei Jahre ausgewertet. Je mehr Schäden ein Fahrzeugmodell statistisch verursacht, desto höher die Typklasse. Aktuell umfasst die Statistik rund 33.000 Modelle.

Was bedeuten die Regionalklassen?

Die Regionalklassen spiegeln die Schadenshäufigkeit in den 413 deutschen Zulassungsbezirken wider. Entscheidend ist der Wohnort des Fahrzeughalters, nicht der Unfallort. In Großstädten mit mehr Unfällen und Diebstählen gelten oft höhere Regionalklassen als in ländlichen Gebieten. Die Einstufung wird jährlich vom GDV neu berechnet.

Kann ich meine SF-Klasse übertragen?

Ja, SF-Klassen können unter bestimmten Bedingungen übertragen werden. Häufige Fälle: Übertragung zwischen Ehepartnern, von Eltern auf Kinder (wenn das Kind im Haushalt gemeldet war), oder bei Fahrzeugwechsel. Der Empfänger kann maximal so viele SF-Jahre erhalten, wie er selbst den Führerschein besitzt. Beim Versicherungswechsel wird die SF-Klasse automatisch übernommen.

Wie werde ich nach einem Unfall zurückgestuft?

Nach einem selbstverschuldeten Haftpflicht- oder Vollkaskoschaden erfolgt eine Rückstufung gemäß der Rückstufungstabelle des Versicherers. Von SF 10 fallen Sie beispielsweise auf etwa SF 4 zurück. Bei Teilkasko-Schäden (Diebstahl, Glasbruch, Naturereignisse, Wildunfall) erfolgt keine Rückstufung, da für Teilkasko keine SF-Klassen gelten.

Wann ändern sich Typ- und Regionalklassen?

Der GDV veröffentlicht jährlich im Herbst neue Typklassen und Regionalklassen basierend auf aktuellen Schadensstatistiken. Versicherer können diese unverbindlichen Einstufungen für Neuverträge sofort und für Bestandsverträge zum nächsten Versicherungsjahr übernehmen. Ihre aktuelle Einstufung finden Sie im Versicherungsschein.

Welche Typklasse hat mein Auto?

Die Typklasse Ihres Fahrzeugs können Sie beim GDV über die offizielle Typklassenabfrage ermitteln (dieversicherer.de/typklassenabfrage). Sie benötigen dafür HSN (Herstellerschlüsselnummer) und TSN (Typschlüsselnummer) aus Ihrem Fahrzeugschein. Alternativ fragen Sie Ihren Versicherer oder entnehmen die Information Ihrem Versicherungsschein.

Wie starte ich als Fahranfänger?

Fahranfänger starten in SF 0 (Führerschein < 3 Jahre) mit etwa 200-260% Beitragssatz oder SF ½ (Führerschein ≥ 3 Jahre) mit 100% Grundbeitrag. Möglichkeiten für günstigeren Einstieg: SF-Übertragung von Eltern/Großeltern, Zweitwagen-Einstufung bei den Eltern, Telematik-Tarife, oder Begleitetes Fahren ab 17 (manche Versicherer honorieren dies).

8. KFZ-Versicherung vergleichen

Nutzen Sie den Vergleichsrechner, um mit Ihrer aktuellen SF-Klasse passende Tarife zu finden. Die Berechnung berücksichtigt automatisch Typ- und Regionalklasse.

Transparenzhinweis: Dieser Vergleichsrechner wird von unserem Partner Tarifcheck bereitgestellt. Bei Abschluss eines Vertrages über den Rechner erhalten wir eine Provision. Für Sie entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Die Provisionen ermöglichen uns, diesen kostenlosen Ratgeber-Service anzubieten.

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